KI-Kompetenz und Datenschutzbeauftragte: praktische Rollen
Zuletzt aktualisiert: — Stand der Rechtslage
Zwei Regelwerke, getrennte Verantwortlichkeiten
KI-Einsatz berührt häufig Datenschutz und die EU-KI-Verordnung. Das macht Datenschutzbeauftragte zu wichtigen fachlichen Ansprechpartnern — aber nicht automatisch zu den operativ Verantwortlichen für sämtliche KI-Maßnahmen.
Der neue Art. 4 KI-VO richtet sich an Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Sie sollen Maßnahmen ergreifen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und weiterer in ihrem Auftrag handelnder Personen unterstützen.
Die Vorschrift benennt den Datenschutzbeauftragten nicht als Pflichtverantwortlichen.
Was sich 2026 geändert hat
Die Verordnung (EU) 2026/1744 fasst Art. 4 mit Wirkung ab 27. Juli 2026 neu:
- Maßnahmen sollen die Entwicklung von KI-Kompetenz unterstützen.
- Vorwissen, Erfahrung, Aus- und Fortbildung sowie Einsatzkontext sind zu berücksichtigen.
- Ein bestimmtes Kompetenzniveau muss nicht garantiert werden.
- Kein bestimmter Kurs, keine Prüfung und kein Zertifikat sind vorgeschrieben.
Wo der DSB sinnvoll beitragen kann
Abhängig von Organisation und Mandat kann der Datenschutzbeauftragte:
- auf Datenschutzrisiken bestimmter KI-Einsätze hinweisen,
- bei der Abgrenzung personenbezogener Daten beraten,
- auf eine mögliche Datenschutz-Folgenabschätzung aufmerksam machen,
- Schulungsinhalte zu Datenschutzthemen fachlich prüfen,
- Empfehlungen an die verantwortliche Organisation geben.
Die Entscheidung, wer KI-Governance, Inventar, Rollout und Schulungsorganisation operativ verantwortet, sollte das Unternehmen klar zuweisen. Die unabhängige Beratungs- und Kontrollrolle des DSB darf dabei nicht mit operativer Gesamtverantwortung vermischt werden.
Was eine KI-Schulung für Datenschutzrollen abdecken kann
Für Personen mit Datenschutzaufgaben können besonders relevant sein:
- typische Datenflüsse bei generativer KI,
- Umgang mit vertraulichen und personenbezogenen Informationen,
- Rollen von Anbieter, Betreiber, Verantwortlichem und Auftragsverarbeiter,
- Datenschutz-Folgenabschätzung,
- Transparenz und Betroffenenrechte,
- Grenzen automatisierter Entscheidungen.
Eine allgemeine Basisschulung kann dafür einen Einstieg bieten. Sie ersetzt keine Prüfung des konkreten Systems.
Praktische Checkliste
- KI-Einsatz inventarisieren: Systeme, Zwecke, Daten und Verantwortliche erfassen.
- Rollen trennen: Operative Zuständigkeit und unabhängige DSB-Beratung klar halten.
- Kompetenzbedarf ableiten: Nutzung, Risiko und Vorwissen je Rolle betrachten.
- Maßnahmen kombinieren: Leitlinien, Übungen und Schulungen passend zum Einsatz wählen.
- Änderungen prüfen: Neue Systeme und Datenflüsse erneut bewerten.
Häufige Fragen
Ist der Datenschutzbeauftragte für Art. 4 KI-VO verantwortlich?
Art. 4 weist dem Datenschutzbeauftragten keine pauschale Verantwortung zu. Adressaten sind Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Der DSB kann innerhalb seines gesetzlichen Mandats beraten und kontrollieren.
Muss der DSB selbst eine KI-Schulung absolvieren?
Art. 4 knüpft an die tatsächliche Befassung mit Betrieb und Nutzung von KI-Systemen an. Für Datenschutzbeauftragte mit KI-bezogenen Aufgaben ist rollenbezogene Kompetenz praktisch sinnvoll; eine pauschale Pflicht zu einem bestimmten Kurs folgt daraus nicht.
Ersetzt eine Datenschutzschulung ein KI-Praxistraining?
Nicht automatisch. Datenschutz ist nur ein Teil sicherer KI-Nutzung. Umgekehrt ersetzt ein allgemeines KI-Praxistraining keine individuelle Datenschutzprüfung.
Fazit
Datenschutzbeauftragte können wertvolle Fachpartner für KI-Kompetenzmaßnahmen sein. Verantwortung, Rollen und konkrete Maßnahmen müssen Unternehmen dennoch passend zu ihrem KI-Einsatz organisieren.
Quellen: Verordnung (EU) 2026/1744 (EUR-Lex), insbesondere Art. 1 Nr. 5; Verordnung (EU) 2024/1689 (EUR-Lex); DSGVO, insbesondere Art. 37–39. Stand der Rechtslage: 25. Juli 2026. Keine Rechtsberatung.
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