Art. 4 KI-VO 2026: Was die Neufassung verlangt

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Zuletzt aktualisiert: — Stand der Rechtslage

Die kurze Antwort

Die Verordnung (EU) 2026/1744 hat Art. 4 der EU-KI-Verordnung neu gefasst. Ab dem 27. Juli 2026 müssen Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und weiterer Personen unterstützen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten.

Genauso wichtig, weil es oft anders beworben wird:

  • Art. 4 schreibt keinen bestimmten Kurs vor.
  • Art. 4 schreibt keine Prüfung und kein Zertifikat vor.
  • Anbieter und Betreiber müssen ausdrücklich kein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren.
  • Welche Maßnahme passt, hängt unter anderem von Vorwissen, Erfahrung, Aus- und Fortbildung sowie Einsatzkontext ab.

Eine praktische Schulung kann eine geeignete Maßnahme sein. Sie ist aber nicht die einzige denkbare Maßnahme und macht ein Unternehmen nicht automatisch „compliant“.

Was steht im neuen Art. 4?

Der aktuelle Wortlaut verpflichtet Anbieter und Betreiber, Maßnahmen zu ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz zu unterstützen. Berücksichtigt werden sollen:

  • technische Kenntnisse und Erfahrung,
  • Aus- und Fortbildung,
  • der Kontext, in dem das KI-System eingesetzt wird,
  • die Personen oder Gruppen, bei denen das System eingesetzt wird.

Der letzte Satz des Absatzes stellt ausdrücklich klar, dass kein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz garantiert werden muss. Den amtlichen Text finden Sie in der Verordnung (EU) 2026/1744 auf EUR-Lex.

Wer sollte die Regel prüfen?

Art. 4 richtet sich an:

  • Anbieter von KI-Systemen und
  • Betreiber, die KI-Systeme unter eigener Verantwortung einsetzen.

Erfasst sind ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit Betrieb oder Nutzung der Systeme befasst sind. Ob und wie ein konkreter Einsatz darunter fällt, sollte anhand der tatsächlichen Rolle und Nutzung beurteilt werden — nicht allein anhand des Firmennamens oder eines installierten Tools.

Welche Maßnahmen kommen infrage?

Die Vorschrift lässt das Format bewusst offen. Je nach Einsatz können zum Beispiel sinnvoll sein:

  • kurze, rollenbezogene Leitlinien,
  • Informationsmaterial zu erlaubten und unerlaubten Nutzungen,
  • praktische Übungen mit typischen Arbeitssituationen,
  • Team-Schulungen,
  • vertiefte Trainings für besonders verantwortliche Rollen,
  • interne Ansprechpersonen und regelmäßige Aktualisierungen.

Für ein Team, das generative KI im Büroalltag nutzt, kann eine kompakte Basisschulung mit Übungen ein guter Start sein. Für Hochrisiko-Anwendungen oder sensible Daten reicht eine allgemeine Basisschulung allein typischerweise nicht aus; dort sind die jeweils einschlägigen, separaten Pflichten zu prüfen.

Wozu dann Teilnahmezertifikate?

Ein Zertifikat ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Es kann trotzdem praktisch sein: Unternehmen sehen, wer den Kurs abgeschlossen hat, wann das geschah und welches Ergebnis erreicht wurde.

Das ist interne Schulungsdokumentation — keine behördliche Anerkennung, keine Garantie eines Kompetenzniveaus und kein automatischer Beleg vollständiger Rechtskonformität.

Ein pragmatischer Ablauf

  1. KI-Einsatz erfassen: Welche Systeme nutzt das Team, für welche Aufgaben und mit welchen Daten?
  2. Rollen unterscheiden: Wer nutzt KI gelegentlich, wer entscheidet über Ergebnisse, wer administriert Systeme?
  3. Maßnahmen wählen: Leitlinie, Schulung, Übung oder Kombination passend zum Risiko.
  4. Rollout nachvollziehen: Teilnahme und Aktualisierungen intern festhalten.
  5. Bei Änderungen nachschärfen: Neue Tools, neue Aufgaben und neue Risiken erneut betrachten.

Häufige Fragen

Ist eine KI-Schulung gesetzlich vorgeschrieben?

Nicht als bestimmtes Format. Art. 4 verlangt Maßnahmen zur Unterstützung der Entwicklung von KI-Kompetenz. Eine Schulung kann eine passende Maßnahme sein; die Vorschrift nennt aber keinen Pflichtkurs.

Muss ein Unternehmen ein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren?

Nein. Der neue Art. 4 stellt ausdrücklich klar, dass Anbieter und Betreiber für keine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz garantieren müssen.

Brauchen Mitarbeitende ein Zertifikat?

Nein. Art. 4 schreibt kein Zertifikat vor. Ein Teilnahmezertifikat kann den internen Überblick über Kurs, Datum und Ergebnis erleichtern.

Seit wann gilt die Neufassung?

Die Verordnung (EU) 2026/1744 wurde am 24. Juli 2026 veröffentlicht und tritt am dritten Tag danach, also am 27. Juli 2026, in Kraft.

Fazit

Art. 4 bleibt ein Auftrag zum Handeln — aber ein offener und verhältnismäßiger. Nicht das Zertifikat ist das Ziel, sondern eine Maßnahme, die zum tatsächlichen KI-Einsatz des Teams passt.


Quellen: Verordnung (EU) 2026/1744 (EUR-Lex), insbesondere Erwägungsgrund 8, Art. 1 Nr. 5 und Art. 4; Verordnung (EU) 2024/1689 (EUR-Lex). Stand der Rechtslage: 25. Juli 2026. Keine Rechtsberatung.

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